Talysarn

(Eine britische Partnergemeinde für Wabern)*

* leider nicht : der Gemeinderat hat sich gegen die Aufnahme 
von Partnerschaftsverhandlungen ausgesprochen

Meine Frau, Brigitte Palazzolo-Nöding, und ich hatten in Abstim­mung mit der Gemeinde Wabern Kontakt zu einer walisischen Gemein­de aufge­nom­men - der Gemeinderat Wabern hat diesen Kontakt jetzt zurückgewiesen. Ich lasse die Beschreibung trotzdem hier noch eine Weile stehen.

 Die Gemein­de heißt Taly­sarn und liegt in Nord-Wales in einer phan­tas­­tischen Landschaft. Die Irische See ist nur wenige Kilo­meter entfernt, und der Auf­stieg zum höch­sten Berg von Wales, dem majes­tä­tischen Snow­don (größer) beginnt gleich hinter dem Dorf. 

Der Snowdon zieht auch viele Touristen an, die aber den klei­nen Ort noch nicht über­fluten. Sie kommen im Sommer zum Baden in die Caernarfon-Bucht oder besu­chen das Städt­chen Caernarfon mit seiner gigan­tischen Zwingburg (mehr) aus dem Hochmittelalter. Caernarfon Castle ist nur eine von vielen riesigen guter­hal­te­nen Burgen. Die ganze Gegend ist voll von ihnen, und von diesen Burgen her erschließt sich die Geschichte des Lan­des. Es ist erst im Hochmittelalter von den Eng­län­dern erobert worden, die es - vor allem hier oben im gebirgigen Norden - nie ganz durchdrungen haben. Sie haben von die­sen Burgen aus Wales beherrscht und die Waliser haben nach ihrer Unterwerfung nie wieder so eine Schlagkraft ent­wickelt, dass die Burgen hätten Schaden nehmen können. In der Gegend von Talysarn wird heute noch Walisisch gespro­chen und natürlich auch Englisch, das aber von vielen als erste Fremdsprache angesehen wird. 

Talysarn ist mit 2500  Einwohnern etwas kleiner als Wabern. Es gehört zu einem Gemeindeverband, dem Tal der Nantlle (auf walisisch: Dyffryn Nantlle), der ca. 10 Gemeinden umfasst.
In der Gegend wurde sehr viel Schiefer abgebaut, deshalb sind die Dächer tra­di­ti­onell schiefergedeckt - hier das neue 2006 fertiggestellte DGH ...

... und der Ort sieht von weitem wie ein graublauer See aus. - hier ein Blick auf Talysarn vom Nachbarort Carmel herunter - 

 

Die Gegend ist traumhaft schön, aber der Schieferabbau hat auch tiefe Wunden geschlagen. Unmittelbar bei dem Ort ist eine riesige stillgelegte Schiefergrube, Dorothea Quarry. Hier ein Bild von einem Spaziergang in der Nähe des Ortes: man sieht in der unteren Bildhälfte die steilen Wände der Tagebaugrube. (größer)

Die Schieferbrüche mussten immer trockengepumpt werden. Nach dem Ende des Abbaus sind sie sofort vollgelaufen. Die so entstandenen kleinen Seen sind bei Tauchern beliebt. Das Pumphaus steht heute als Industriedenkmal in der walisischen Landschaft. 

Unser Gesprächspartner in Talysarn war Dilwyn Lloyd. Er ist der „Councillor“ des Ortes im Parlament der Grafschaft. Er ist in Talysarn geboren und wohnt heute einen Steinwurf entfernt im Nachbarort Carmel. Er ist ein Fußballfan; er wollte eine gemischte Waberner Amateur-Mann­schaft gegen seine „Gwynedd Allstars (mehr) spielen lassen, und er hatte ähnliche Vor­stellungen wie wir: er wollte einen Familien­aus­tausch und keine reine Rathauspartnerschaft.

Dr. Heinz Nöding